Angli­zis­men auf dem Weg der Ver­nich­tung?

Angli­zis­men und Sprach­pfle­ge
Die „Köl­ni­sche Rund­schau“ kri­ti­sier­te unnö­ti­ge Angli­zis­men („die Rund­um-Ver­wen­dung der kleb­ri­gen Anglo-Sau­ce“) und frag­te: „Was zum Teu­fel bedeu­tet eigent­lich ‚pas­sio­na­te for taste‘, was ‚powe­r­ed by For­um­Gar­ten­mö­bel‘ oder auch ‚powe­r­ed by Rhap­so­dy jetzt by Base‘? War­um ist aus der guten alten Haus­ver­wal­tung über­all ein breit­bei­ni­ges ‚Faci­li­ty Manage­ment‘ gewor­den? Und war­um muss eine […] Kon­fe­renz, die sich mit Arbeit, Gesund­heit und Bil­dung aus Sicht der Frau­en befasst, ‚Digi­tal Life Design Women‘ hei­ßen und die knall­deut­sche Schau­pie­le­rin Maria Furt­wäng­ler als ‚Chair­wo­man‘ auf­bie­ten“? Ein­ge­bet­tet ist die Kri­tik in einen Über­blick über die Auf­nah­me von Angli­zis­men und Deng­lisch im Deut­schen, den Umgang von Poli­ti­kern mit der deut­schen Spra­che (z.B. Gaucks For­de­rung einer gemein­sa­men Spra­che für das künf­ti­ge Euro­pa) und den künf­ti­gen Ver­zicht auf Angli­zis­men und Deng­lisch bei der Deut­schen Bahn. VDS-Mit­glied und Sprach­kri­ti­ker Wolf Schnei­der erklär­te: „Eng­lisch bei der Deut­schen Bahn war Quatsch vom ersten Tag an.“ (www​.rund​schau​-online​.de


Die „West­deut­sche All­ge­mei­ne Zei­tung“ (WAZ) berich­te­te, dass laut Duden von den bis zu 500.000 Wör­tern, die – je nach Zähl­wei­se – die deut­sche Spra­che umfas­se, jedes fünf­te Wort ein Fremd­wort sei. Die mei­sten Fremd­wör­ter stamm­ten aus dem Latei­ni­schen, zu 5,6 Pro­zent, gefolgt von dem Grie­chi­schen mit 4,2 Pro­zent. Danach fol­ge Eng­lisch. Die Zähl­wei­se wur­de nicht genannt. Nach einem kur­zen Über­blick über die Geschich­te der Sprach­pfle­ge und Fremd­wör­ter im Deut­schen heißt es: „Über­haupt wird über die Benut­zung von frem­den Wör­tern urde­mo­kra­tisch ent­schie­den – wenn ein Begriff dazu taugt, ein Ding genau zu bezeich­nen, und dazu noch bequem im Mun­de zu füh­ren ist, dann dürf­te er auch all­ge­mein akzep­tiert wer­den.“ (www​.der​we​sten​.de)
Ein wei­te­rer Bericht in der „West­deut­sche All­ge­mei­ne Zei­tung“ (WAZ) behan­del­te das The­ma „Sprach­pfle­ge“, den Hin­ter­grund und die Fol­gen aus­gie­bi­ger, näm­lich die Auf­nah­me von Angli­zis­men, Deng­lisch, Ver­ständ­nis­pro­ble­me und Iden­ti­täts­ver­lust. Die WAZ bilan­zier­te: „Es gibt mit­hin guten Grund, sich dar­über zu freu­en, dass nach Grie­chisch und Latein in der Anti­ke und Fran­zö­sisch in der Neu­zeit seit rund 100 Jah­ren das Eng­li­sche in zuneh­men­dem Maße als lin­gua fran­ca, als All­ge­mein­spra­che welt­um­span­nend zur Ver­fü­gung steht. Es ist ein fabel­haf­tes, über­aus rei­ches und pfif­fi­ges Idi­om, in dem sich man­ches prä­gnan­ter aus­drücken lässt als im Deut­schen. Wir soll­ten es erler­nen, so gut es geht. Und wir müs­sen kei­ne Ban­ge haben, nach alter Väter Sit­te die­sen Riff und jenen Beat in unser eige­nes Idi­om zu über­neh­men, wenn sich da nichts Bes­se­res fin­det. Aber wir soll­ten so klug sein zu wis­sen, dass für die mei­sten von uns Eng­lisch nie­mals sprach­li­che Hei­mat sein wird. Jeden­falls nicht ‚all inclu­si­ve‘.“ (www​.der​we​sten​.de)

Quel­le: VDS Info­brief Nr.163 (VDS = Ver­ein Deut­sche Spra­che)

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Ein Gedanke zu „Angli­zis­men auf dem Weg der Ver­nich­tung?“

  1. Die Berich­te sind löb­lich, aber unter­schwel­lig ten­den­zi­ös. Wer ein gutes Sprach­ge­fühl hat, kann Sach­ver­hal­te in deut­scher Spra­che meist prä­gnan­ter und tref­fen­der aus­drücken als in Fremd­spra­chen, fin­det für neue Begrif­fe ein pas­sen­des Wort oder schafft es, benö­tigt kei­ne neu­en Fremd­wör­ter. Wör­ter nicht zu über­set­zen ist Denk­faul­heit und Bequem­lich­keit, Pseu­do­eng­lisch für neue Din­ge zu neh­men (“Han­dy”), das in eng­lisch­spra­chi­gen Län­dern nie­mand ver­steht, sogar pein­lich.

    In der eige­nen Spra­che sind Men­schen krea­ti­ver.

    Hin­zu kommt der Ver­fall guter Spra­che, das Aus­brei­ten fal­scher Bil­dun­gen und Wen­dun­gen auf vie­len Ebe­nen. Das geht vom fal­schen Impe­ra­tiv (“lau­fe!” statt “lauf!”) über Fra­ge­sät­ze, die durch Sug­ge­stiv­be­haup­tun­gen ersetzt wer­den: “Du willst das kau­fen?” statt: “Willst du das kau­fen?” bis zu unvoll­stän­di­gen, ver­kürz­ten Halb­sät­zen. Wer ver­nünf­ti­ges Deutsch schreibt, des­sen Spra­che gilt als anrü­chig und wird von Lek­to­ren ver­mut­lich abge­lehnt.

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